Montag, 30. August 2010

Was für eine Anreise!

Norwegen, Norwegen. Viel hat mich bis jetzt mit diesem Land verbunden und nun bin ich da. Ich werde zehn ganze Monate hier verbringen. Ich werde den Winter überstehen. Ich werde dunkle Tage erleben - aber auch Zeuge werden wie es keine Nacht mehr gibt.
Endlich. Meine letzte Zeit in Deutschland war ereignisreich und gleichzeitig anstrengend. Im Hinterkopf wusste ich, dass ich bald weg bin, dass ein anderes Leben hier anfängt. Nun ist es schön angekommen zu sein. Auch wenn hier viel vor mir liegt, die nächsten Wochen sicher anstrengend und herausfordernd werden und danach eine Art Arbeitsalltag startet, bin ich erleichtert hier zu sein. Ich lebe nun nicht mehr zwischen den Welten, sondern bin in der neuen endlich angekommen.

Und das war gar nicht so einfach. Nach einem letzten Abschiedsumtrunk mit Franz, Franzi und Peter, einer kurzen Nacht und der Unruhe noch nicht gepackt zu haben, stopfte ich meine Wäsche aus dem Trockner in meine Riesenkraxe, konnte auch meine gesamte Campingausrüstung für eventuelle Touren in Norwegen unterkriegen, hatte aber das unangenehme Gefühl etwas zu viel zu wiegen als ich auf der Wage stand. 100 Kilo, eine schreckliche Kombination des leckeren Essen Südostasiens und meines zu schweren, nur 20-Kilo-wiegen-dürfenden Rucksacks. Egal, es war eh schon zu spät. Fürs Notizbuch: Besser einen Tag vor der Abreise packen als einen Stunde vorher. In der Not wichtige Sachen wie Jeans und externe Festplatte rausgeschmissen und ab nach Göttingen zum Zug, denn der in Heiligenstadt war hoffnungslos verspätet.
Trauriger Abschied von meiner Familie, die jetzt schon das dritte Kind innerhalb eines Monats temporär ans Ausland verliert. Im Zug unglaubliche Ruhe, im Frankfurter Flughafen Erleichterung nach der Sicherheitskontrolle, die zum Glück keinen Wert auf Übergepäck beim Handgepäck legte. Die zwei Stunden bis Oslo konnte ich beruhigt schlafen.

Dann der Hammer im Flieger nach Trondheim. Mein Platz ist besetzt, ich werde umgesetzt, Diskussionen mit den Stewardessen bis sie feststellen, dass ich im falschen Flieger sitze. Na klar, ich war so doof in den falschen Flieger zu steigen, aber beim boarden müsste sowas beim Scannen des Tickets eigentlich auffallen. Leider war die nette Frau etwas zu ungenau und hat wohl nicht auf das grüne Licht geachtet.
Ist eigentlich schon mal euer Name auf einem Flughafen ausgerufen worden? Nein?
Ich hatte nach dem Verlassen des Flugzeugs diese zweifelhafte Erfahrung. Sie spielt sich ungefähr zwischen Panik und des seltsamen Gefühls wichtig zu sein ab. Allerdings mit einem leichten Übergewicht der Panik. Ha!
Meine im Flieger vergessene Jacke wurde zum Glück an einem anderen Gate abgelegt, welches leider nicht ausgeschildert war. Und ständig mein Name über die Lautsprecher! Ich bin hin- und her geirrt, weil ich wusste, dass mein richtiger Flug auch in wenigen Minuten geht. Gleiche Fluggesellschaft, gleiches Ziel, nur eine halbe Stunde später. Und wer vergleicht schon die Flugnummern??
Einmal falsch abgebogen, die Rollbänder langgerannt und plötzlich bin ich wieder draußen. Also noch mal Check-In, durch die Sicherheitskontrolle. Noch dazu in voller Wintermontur, damit mein Gepäck nicht so schwer ist. Ich bin mir sicher dass die Norweger mich für total durchgeknallt gehalten haben, so wie ich schwitzend, dick eingepackt im zick-zack mehrmals durch den gesamten Flughafen rannte. Gate 32, endlich. Die Frau muss mich schon von weitem erkannt haben. Ausländer! Gate war zu, ich konnte trotzdem noch durch und hörte nur noch "boarding completed" als ich endlich das wartende Flugzeug betrat und alle mich anstarrten bis ich meinen Sitz in der letzen Reihe erreichte. Zum Glück war ich dieses Mal im richtigen Flieger.

Als ich dann in Trondheim aussteige und Björn Gunnar, den etwas 50-jährigen Leiter des Kulturzentrums, treffe, fühl ich mich gleich zu Hause. Er kauft mir eine kleine Flasche Wasser für vier Euro. Auf diese Investition hatte ich die gesamte Zeit seit Frankfurt verzichtet nachdem ich schon in Oslo für ein Stück Salamibaguette 10 Euro bezahlt hab. An die Preise muss ich mich erst einmal gewöhnen. Wir fahren ungefähr eineinhalb Stunden von Trondheim nördlich nach Steinkjer, meinem neuen Zuhause. Ich versteh mich sofort gut mit Björn Gunnar, der einen so trockenen Humor hat, dass ich bestimmt die Hälfte seiner Witze für einen ehrliche Aussage halte. Ich werd aber schon besser.

6 Kommentare:

  1. Madeleine Peters31. August 2010 um 19:01

    Hi Stephan,
    ich wünsche dir eine tolle Zeit in Norwegen. Ich war jetzt auch 2,5 Wochen da und hab die Zeit dort sehr genossen. Wenn du da mal frei hast, dann mach nen Ausflug zum Prekestolen und wander da hoch. Gigantisch ist es da ;) Ansonsten ist der Süden und die Westküste einfach Traumhaft!
    Schreib immer schön fleißig!
    Liebe Grüße,
    Maddi

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  2. Hallo Stephan,

    ich wünsche dir natürlich ebenfalls eine super Zeit in Norwegen. Ich war jetzt auch für 2,5 Tage da und hab die Zeit dort auch sehr genossen. Ich kann dir auf jeden Fall einen Ausflug nach Ås empfehlen, wenn du mal frei hast. Dort wohnt eine nette Familie bei der man den besten Fisch (vorzugsweise Makrele) der Welt zu essen bekommt.

    Grüsse,
    Matthias

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  3. Stephan!

    Es freut mich, dass du endlich gut angekommen bist! Ich wünsche dir eine schöne zeit in Steinkjer, du bist auch jederzeit bei uns willkommen, falls du mal Zeit hast, aber das weißt du ja :) Ansonsten treffen wir uns auf jeden Fall in Trondheim, oder?

    Liebe Grüße,
    Ada Louise

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  4. Hallo Stephan,
    wir freuen uns mit dir, dass du angekommen und glücklich bist. Und es ist höchst erstaunlich, wie schnell du diesen Blog eingerichtet und mit Leben erfüllt hast. Nur eins ist nicht richtig: Wir haben nicht nur drei, sondern fünf Kinder an die Welt "verloren", Ada und Matthias gehören auch dazu. Und wir sind ungeheuer stolz auf euch alle! Liebe Grüße nach Costa Rica, in die Schweiz und zweimal nach Norwegen! Eure Eltern.

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  5. Danke für die Wünsche und Kommentare!
    Nur so viel: Am Preikestolen war ich schon mal, wenn auch länger her. Aber ich werd diesen tollen Trip in meiner Zeit bestimmt noch mal machen. Ist nur ziemlich weit weg von hier.
    Diese nette Familie in Aas werde ich bestimmt auch mal besuchen. Und dann fischen wir Makrelen, auf jeden! Vorher sehen wir uns aber hier, Ada :-).

    Schön, dass ihr so fleißig lest und ganz liebe Grüße nach Hause!

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  6. Hallo Stephan,
    wir grüßen dich. Gerade sind Martina und Matthias hier und haben mir deinen neuen Blog vorgeführt. Wir sind wohl auf und das wünschen dir auch Oma und Opa.
    Wir werden versuchen uns öfter mal zu melden.
    Oma und Opa

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